Der fesselnde Einstieg

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Du hast Dir die Geschichte, die Du erzählen willst, zurechtgelegt und willst jetzt mit dem Aufschreiben anfangen. Du willst über die Rumtreiber schreiben. Was ist jetzt ein fesselnder Einstieg? Du willst nicht, dass Dir die Leser nach den ersten fünf Sätzen schon vor Langeweile weglaufen, aber eigentlich müsstest Du gewisse einleitende Elemente unterbringen, zum Beispiel um wen es geht.


Wie man nicht anfangen sollte

Viele Autoren entscheiden sich also dafür, es so schnell wie möglich hinter sich zu bringen, und beginnen ihre Geschichte nun etwa so:

James, der schwarzhaarige Schulsprecher von Hogwarts, der Schule für Hexerei und Zauberei, und Sucher der Quidditchmannschaft von Gryffindor, betrat den Bahnhof King’s Cross, wo er seine Freunde treffen würde. James war in den Ferien gewachsen und inzwischen ungefähr 1,85m. Seine Haare hatten sich allerdings kein bisschen verändert, sie waren immer noch so zerzaust wie eh und je, was er noch dadurch verstärkte, dass er sie dauernd mit den Händen zerwuschelte.
Als erstes sah er seinen besten Freund, Sirius Black. Sirius war zwar nicht größer als James, aber um einiges muskulöser. Er war der Mädchenschwarm der Schule, und das wusste er, weshalb er manchmal etwas arrogant wirkte. Er hatte ebenfalls schwarze Haare und dazu ein umwerfendes Lächeln, das reihenweise Verehrerinnen dahinschmelzen ließ.
Da kam auch schon Remus Lupin. Mit seiner eher schmächtigen Statur und seinem sandfarbenen Haar wirkte er neben James und Sirius unauffällig. Aus der Nähe jedoch konnte man seine bernsteinfarbenen Augen erkennen, die auch bereits das ein oder andere Herz gebrochen hatten. Remus machte sich jedoch nichts aus Mädchenbekanntschaften. Er traute sich nicht, eine engere Beziehung einzugehen, denn als Werwolf musste er ständig auf der Hut sein. Es wäre für seine Freundin einfach zu gefährlich.
Vierter im Bunde war Peter Pettigrew. Er war klein und dicklich und hatte ein etwas spitzes, leicht rattenartiges Gesicht. Seine Augen waren wässriggrau und sein Haar hatte die Farbe von Spülwasser. Da er auch sonst keine einzige Eigenschaft hatte, die ihn besonders ausgezeichnet hätte, sah er zu James und Sirius wie zu Göttern auf.


Wieso ist diese Einleitung schlecht? Aus drei Gründen:

1. Wenn Du Fanfiction zu Harry Potter schreibst, kannst Du in den allermeisten Fällen davon ausgehen, dass Deine Leser wenigstens mit den Grundzügen der Harry-Potter-Welt vertraut sind. Es ist nicht nötig zu erwähnen, dass James mit Sirius, Remus und Peter befreundet ist. Ebenso verhält es sich mit anderen der Fangemeinde allgemein bekannten Tatsachen. Es ist ohnehin klar, dass Hogwarts eine Schule für Hexerei und Zauberei ist, Du brauchst es also nicht extra zu sagen.
Wenn Du etwas schreibst, das Du selbst auch ohne Erinnerung gewusst hättest, kannst Du davon ausgehen, dass die Leser es auch gewusst hätten. Lass diese Sachen also einfach weg.


2. Die Art und Weise, wie die Eigenschaften der Figuren aufgezählt sind, erinnert an eine Liste zum Abhaken. Augenfarbe, Haarfarbe, was fehlt noch? Ah, richtig, Größe. Es klingt eher so, als würdest Du ein Phantombild erstellen, als nach dem Beginn einer Erzählung. Hinzu kommt speziell bei Fanfiction, dass das Aussehen der Figuren meist ohnehin bekannt ist. Es ist um einiges geschickter, das Äußere der Personen nach und nach in den Text einfließen zu lassen. Dabei ist eins besonders wichtig: Man sollte das Aussehen seiner Figuren überhaupt nur dann erwähnen, wenn es irgendwas zur Geschichte beiträgt, also in Situationen, in denen das Aussehen eine Rolle spielt. An dieser Stelle direkt am Anfang trägt es nichts zur Handlung bei und verzögert daher nur den Einstieg in die spannenden Ereignisse, um die es eigentlich gehen sollte.


3. Damit wären wir beim dritten Punkt: dem Einstieg in die Handlung. Das obige Beispiel umfasst beinahe eine ganze Seite, und man erfährt trotzdem überhaupt nichts darüber, um was für eine Art Geschichte es sich eigentlich handelt. Ist es eine Romanze? Ist es eine Abenteuergeschichte? Oder soll es dramatisch werden? Was ist das Problem der Hauptfigur? Anstatt über solche Dinge aufzuklären, wird den Lesern einfach nur ein Klumpen unwesentlicher Informationen vorgesetzt. Wenn man das gelesen hat, ist man im Grunde so klug wie zuvor, und das macht diese Einleitung so langweilig.


Als Faustregel, wie sich die häufigsten Fehler in Einleitungen vermeiden lassen, kann Du Dir Folgendes merken:

Gib in der Einleitung keine überflüssigen Informationen!


Was ist also ein guter Einstieg?

Eine allgemeingültige Antwort darauf kann es selbstverständlich nicht geben.
Zugegebenermaßen ist es einfacher zu sagen, wie man es nicht machen sollte, aber ein paar Hinweise für einen guten Einstieg gibt es dennoch.


1. Das Wichtigste am Beginn einer Geschichte ist, die Leser neugierig zu machen. Um das zu erreichen, solltest Du Dich nicht mit zuviel Drumherum aufhalten, sondern möglichst schnell zur Sache kommen. Steig direkt in die spannende Handlung ein. Wann würdest Du selbst als Leser weiterlesen wollen? Wenn die Antworten auf folgende Fragen zu Deiner Zufriedenheit ausfallen:

  • Worum geht es?
  • Um wen geht es?
  • Was haben die Protagonisten für Probleme?
  • Sagt Dir die Stimmung der Geschichte zu?


Das alles sind Fragen, die die Einleitung beantworten kann.


2. Genauso wichtig wie das Beantworten von Fragen ist es, neue Fragen aufzuwerfen.

  • Wie ist die Hauptfigur in diese Situation gekommen?
  • Wie wird die Figur damit fertig?
  • Wird am Ende alles gut ausgehen?


Natürlich kannst Du auch vorerst nur eine Andeutung machen, indem Du Deine Figur nur von einem unbekannten „Es“ sprechen lässt.

  • Wie konnte es nur soweit kommen?
  • Eigentlich hätte es anders laufen sollen!


Auf diese Weise kannst Du gleich mitten in die Handlung einsteigen, ohne schon alles zu verraten. Auch wenn man als Leser noch nicht genau weiß, worum es geht, wird es nicht langweilig, denn eine andere entscheidende Voraussetzung für eine fesselnde Einleitung ist hier erfüllt: Die Leser empfinden mit der Hauptfigur mit. Was uns zu Punkt drei führt ...


3. Zeig Deinen Lesern, wie sich die Figuren fühlen. Wenn Du eine Geschichte liest und davon völlig mitgerissen bist, dann liegt das daran, dass Du in der Welt der fiktiven Figur geradezu versunken bist. Du fühlst, was die Figur fühlt, und Du erlebst, was sie erlebt.
Mach also gleich zu Anfang den Konflikt Deiner Figur deutlich und zeig den Lesern, wie sie darauf reagiert. Eine Misere nachempfinden zu können, steigert das Interesse daran, die Auflösung zu sehen und auf dem Weg dorthin mitzufiebern.


4. Du musst die Einleitung nicht zwangsläufig am „Anfang“ beginnen lassen. Wenn Du willst und es zur Geschichte passt, kann Du sie auch umgekehrt aufrollen und am Ende anfangen, damit die Leser anschließend gemeinsam mit den Protagonisten nachvollziehen können, wie all das passiert ist, was Du ihnen gerade geschildert hast.


Zum Abschluss hier noch eine zweite kleine Faustregel:

Steig so schnell wie möglich in die eigentliche Handlung ein!

(IndigoNightOwl)

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