Interview mit J.K.R. am 1. August 2006
Aus Infodatenbank
Am 01. August 2006 beantwortet J.K. Rowling bei Radio City Music Hall in New York Fragen von Zuschauern, nachdem sie Kapitel 13 aus Harry Potter und der Halbblutprinz gelesen hat. Die Gelder, die mit dieser Lesung, bei der auch Stephen King und John Irving mitmachten, gesammelt wurden, wurden für The Haven Foundation und Ärzte ohne Grenzen gespendet.
Was würde Hermine sehen, wenn sie in den Spiegel von Nerhegeb schauen würde?
Also … (Jo grinst breit und rollt ein wenig mit den Augen) Wie ihr wisst, haben Harry, Ron und Hermine gerade ihr vorletztes Jahr auf Hogwarts beendet und Hermine und Ron haben Harry erklärt, dass sie mit ihm gehen werden, durch was auch immer er jetzt durch muss. Daher denke ich, würde Hermine in diesem Moment am ehesten sehen, dass sie alle drei leben, sie unverletzt sind und Voldemort endgültig vernichtet. Aber ich denke, dass Hermine sich außerdem Arm in Arm eng umschlungen … mit … einer anderen Person … sehen würde. Ich denke, ich könnt vermutlich erraten, mit wem.
Können Muggel Zaubertränke brauen, wenn sie genauen Anweisungen folgen und alle Zutaten haben?
Also, ich muss nein sagen, weil da immer etwas ist … da ist eine magische Komponente bei einem Zaubertrank, nicht nur die einfachen Zutaten. Wenn du an einen bestimmten Punkt angelangt bist, wirst du einen Zauberstab verwenden müssen. Ich wurde gefragt, was passieren würde, wenn in meiner Welt ein Muggel einen Zauberstab in die Hand nehmen würde. Und die Antwort würde vermutlich etwas unfallmäßiges sein … wahrscheinlich etwas sehr gewaltsames. Denn ein Zauberstab ist in meiner Welt lediglich ein Werkzeug -- eine Art Kompensator für das, was in der Person steckt. Zwischen dem Zauberstab, den jeder Zauberer verwendet und ihm selbst ist eine enge Verbindung, wie ihr ja wisst. Tatsächlich werden wir in Buch 7 noch mehr darüber herausfinden. Man braucht aber die Fähigkeit, um diese Dinge richtig funktionieren zu lassen. Aber du hast recht. Zaubertränke scheinen auf den ersten Blick das muggelfreundlichste Fach zu sein. Aber es kommt eben ein Punkt, wo du mehr tun musst, als nur umzurühren.
In einem vorangegangenen Interwiew hast du gesagt, das Snape ("SNAPE!" wiederholt sie verschmitzt) eventuell noch zur guten Seite wechselt. Gibt es eine Möglichkeit, dass Draco Malfoy ebenfalls bekehrt wird?
Oh, ihr Mädels und Draco Malfoy! (Sie schüttelt ihren Kopf) Ihr müsst darüber hinwegkommen … Ich denke, dass nahezu jeder zur guten Seite wechseln kann; wie auch immer, in einigen Fällen … wie wir aus der Realität wissen … Ich meine … Voldemort … wenn Psychologen jemals Lord Voldemort in einen Raum zerren könnten, ihn niederhalten und ihm seinen Zauberstab wegnehmen könnten, würde er denke ich als Psychopath klassifiziert werden. Also sind da Menschen, für die, wie auch immer man es nennen will -- persönliche Fehlsteuerung oder Krankheit --, bei denen eine Erlösung nicht möglich ist. Die sind selten.
Im Großen und Ganzen würde ich sagen, dass nicht für alle meine Charaktere eine Möglichkeit der Erlösung besteht. Draco, denke ich -- hätte aus Harrys Sicht, selbst wenn er keine Zeitbegrenzung bekommen hätte, nicht getötet. (Ich nehme mal an, ihr habt alle das Buch zu Ende gelesen? Ich möchte kein Kind deprimieren, das noch fünf Seiten zu lesen hat. Sie sind die ganze Zeit in einem Dämmerzustand gewesen.) Harry glaubt, dass Draco die fragliche Person nicht getötet hätte. Was das für Dracos Zukunft bedeutet? Da werden wir einfach abwarten müssen und sehen.
In der Zaubererwelt gibt es viele Zauberstabmacher, Ollivander ist der, mit dem wir am meisten bekannt sind. Wie kommt es, dass Ollivander drei magische Bestandteile für den Kern des Zauberstabes verwendet und entscheidet, dass diese drei die mächtigsten sind im Gegensatz zu anderen, wie zum Beispiel Veelahaar?
Es ist wahr, es gibt mehrere Zauberstabmacher. Und in meinen Notizen habe ich sehr viele verschiedene Bestandteile für Zauberstäbe. Tatsächlich habe ich entschieden, dass Ollivander meine drei Favoriten verwendet. Also hat Ollivander entschieden, dass diese drei die mächtigsten Substanzen sind. Andere Zauberstabmacher würden andere Dinge, die Teil ihres Landes sind, bevorzugen. Veelahaar ist also ziemlich naheliegend Bestand von Fleurs Zauberstab.
Woher weißt du, wann es Zeit ist, mit dem Schreiben aufzuhören und dem Editieren zu beginnen?
Wie weiß ich, wann ich aufhören muss? Naja, ich denke, einige der Kritiken für "Orden des Phoenix" deuteten an, ich wüsste nicht, wann ich aufzuhören hätte! Ich entschied mich vor 16 Jahren, wie die Geschichte ablaufen sollte. Ich will damit sagen, ich bin nun einen ziemlich weiten Weg gegangen, um Buch sieben zu schreiben. Und da ist immer noch eine Menge zu erklären! Ich hab es nicht wirklich realisiert … Es gibt eine Menge zu entdecken, zu bereinigen … und ich werde vermutlich einige Enden offen lassen, dass ihr die Möglichkeit habt zu sagen, "naja, ich Buch 8 wird sie erklären, warum" "Du hast die Kröte erwähnt!" Nein, das ist übrigens NICHT wichtig, nur um mir 500 Briefe einzusparen! Aber ich weiß, wohin es führen wird. Ich werde es wirklich vermissen, an Harry Potter zu schreiben, Teufel auch werde ich es vermissen. "[Buch] 27? Irgendwelche Gedanken zu 27?" Nein … Ich denke, ihr seht schon, ich werde völlig vom Plot abweichen, wenn ich da durch gehe.
Als einer der ersten Autoren die während des Internetzeitalters berühmt geworden sind, wie hat die Onlinekommunikation und Interaktion mit Fans deine Erfahrungen als Schriftstellerin beeinflusst?
Du musst wirklich widerstehen, wenn du um Ideen kämpfst, zu Amazon zu gehen und schlechte Reviews zu lesen … Es ist ziemlich masuchistisch … Für eine lange Zeit guckte ich gar nicht -- die Leute haben mich immer gefragt, ob ich jemals auf Fanseiten schaue, oder ob ich gucke, was sie online über mich sagen und ich antwortete wahrheitsgemäß, dass ich es nicht tat.
Und dann eines Tages googlete ich nach "Harry Potter" … oh … mein … Gott … Ich hatte ja KEINE Ahnung … keine Ahnung. Die Shipping-Kriege? Für Leute über 18, die das nicht verstehen, ich hab es sicherlich auch nicht verstanden. Es ist eine Art Cybergangkrieg. Die Leute wollten wirklich Harry und Hermine zusammenkommen lassen. (BEIFALL) Sie sind immer noch da draußen! Kommt drüber hinweg! Andere wollten Hermine und Ron (BEIFALL). Und einige andere verrückte Pärchen zusätzlich, aber wir werden nicht annähernd in diese Richtung gehen. Also ich glaube, Jane Austin hatte ein bisschen weniger Feedback. Aber im Großen und Ganzen denke ich, es ist eine aufregende Sache, für Leser sich auszutauschen … Internetbuchgruppen … ich denke, es ist eine interessante und aufregende Sache … wenn es sinnvoll genutzt wird!
Als du angefangen hast zu schreiben und mit Absagen konfrontiert wurdest, hast du jemals daran gedacht, aufzugeben? Und wenn du hättest, was hast du gedacht, würdest du jetzt statt dessen tun?
Es kamen eine Menge Absagen, aber das innerhalb einer sehr kurzen Zeitspanne. Ich hatte einen Agenten bei meinem zweiten Versuch, aber dann hat es doch einige Jahre gedauert, bevor ein Verleger es annahm. Und während dieser Zeit … wollte ich je aufgeben? Nein, ehrlich gesagt, niemals. Weil ich wirklich an die Geschichte glaubte. Und ich die Geschichte wirklich liebte.
Iris Murdoch, eine britische Schriftstellerin, die inzwischen gestorben ist, sagte einmal: "Einen Roman zu schreiben ist dem Heiraten sehr ähnlich. Du solltest dich erst dann festlegen, wenn du dein Glück nicht fassen kannst." Und ich konnte tatsächlich nicht glauben, das Glück gehabt zu haben, eine solche Idee zu haben und ich musste es einfach solange antreiben, bis auch der letzte Verleger es abgelehnt hatte. Was zu diesem Zeitpunkt tatsächlich auch so aussah.
Hätte ich mit dem Schreiben aufgehört? Definitiv nicht. Aber wenn ich niemals publiziert hätte in den 16 Jahren, in denen ich die Idee von Harry hatte? Wahrscheinlich hätte ich es akzeptiert. Ich denke, du musst eine Menge Selbstvertrauen haben nach 16 Jahren. Ich bin sicher, ich würde immer noch schreiben, aber ich denke, ich hätte aufgehört, die Manuskripte herumzuschicken. Und was würde ich machen? Unterrichten. Das war das, was ich vorher tat.
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