Stilblüten

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Stilblüten und Fettnäpfchen

Warum man jedes Wort auf die Goldwaage legen sollte


Die hier behandelten Stilblüten stammen aus echten Fanfictions. Da wir hier aber niemanden bloßstellen wollen, werden die Quellen nicht genannt.

Den richtigen Ausdruck zu finden, ist nicht immer einfach. Damit Du solche Fettnäpfchen wie die folgenden vermeiden kannst, sind hier einige Beispiele und dazu jeweils erklärende Kommentare, weshalb Du Dich so lieber nicht ausdrücken solltest.


Unglaubliche Küsse


Seine Lippen hatten wunderbar geschmeckt.

Das erweckt den Eindruck, als ginge es hier um Kannibalismus, anstatt um etwas Romantisches.


Seine Zunge forderte den Einlass in ihre Mundhöhle, der auch schon nach recht kurzer Belagerung gewährt wurde.

Kampfmetaphorik wird für Kuss-Szenen aus irgendeinem Grund sehr gerne verwendet. Aber wie genau sieht es denn aus, wenn man von einer Zunge belagert wird? Darüber hinaus wirkt das Wort „Mundhöhle“ in diesem Zusammenhang etwas sehr klinisch. Diesen Ausdruck würde man eher gemeinsam mit „Rachenraum“ beim Zahnarzt erwarten.


Seine Zunge versank in ihrem Gehörgang und ihr Kopf lehnte sich gegen sie.

Wenn seine Zunge in ihrem Gehörgang versinken kann, muss man sich ernsthaft fragen, wie lang die eigentlich ist. Und ganz abgesehen davon: Es klingt nach einer ziemlich feuchten Angelegenheit. Kann es sich wirklich gut anfühlen, wenn einem etwas Nasses wie ein Pfeifenreiniger ins Ohr geschoben wird?


Im nächsten Augenblick riss er sich los, leckte sich über die Lippen, steuerte diese gegen Harrys und verfing diesen in einem wilden Kuss.

Wenn es sein muss, kann man seine Lippen ja vielleicht noch steuern, auch wenn sich das nach Fernlenkung anhört, aber jemanden in einem Kuss zu verfangen, ruft dann doch unerwünschte Assoziationen hervor. Hat der gute ein Netz ausgeworfen oder wieso verheddert sich das „Opfer“? Außerdem macht sich die gehäufe Verwendung von Formulierungen mit „dieser“ schlecht, da der Text dadurch schnell gestelzt klingt.


In einem plötzlichen lustvollen Schauer erfasst, öffnete Harry die Lippen und gewährte der kleinen feuchten Zunge Einlass.

Oh, es regnet lustvoll. Sonst wäre er schließlich von einem Schauer erfasst. Und wenn er die kleine feuchte Zunge hereinbittet, wieso dann nicht die große trockene? Oder soll es ein Mittel zur Verniedlichung sein? Was es auch ist, es kommt nicht deutlich rüber.


Dracos Zunge leckte sanft an ihrer Unterlippe, und ohne zu zögern öffnete sie leicht ihre Lippen, um seiner Zunge den Zugang zu gewähren. Sie fing an ihre zu umspielen, an ihr zu saugen, und nach wenigen Sekunden duellierten sie sich.

Noch ein schönes Beispiel für Kampfmetaphorik. Ein hübsches Bild, wie zwei Zungen ihre Degen ziehen. Oder wird dieser Kampf ohne Waffen ausgetragen und nur Hiebe ausgeteilt? Die eigentlich Frage ist hier jedoch: Kann eine Zunge saugen?
Darüber hinaus wird hier zweimal hintereinander „sie“ verwendet, wodurch nicht ganz klar ist, dass dabei jeweils ein anderes „sie“ gemeint ist.


Anfangs noch zögerlich, doch dann baute sich ein solches Verlangen auf, dass die beiden wie wild ihre Zungen umtänzelten.

Dieser Satz ist ein gutes Beispiel für falschen Bezug. Wenn die beiden wie wild ihre Zungen umtänzeln, dann bedeutet das, dass sich ihre Zungen irgendwo außerhalb ihres Körpers befinden und sie jeweils um ihre eigene Zunge herum einen Tanz aufführen. Falls es tatsächlich so gemeint war, sei diese Kritik hiermit auf der Stelle zurückgezogen.


Draco lag nun wieder oben, schmatzte an Harrys Hals, saugte sich daran fest.

Vielleicht ist Draco in seinem tiefsten Innern doch ein Vampir ...


Bereitwillig öffnete Harry seinen Mund und ließ die fremde Zunge eintauchen. Jeder Winkel wurde ausgekostet und die andere Zunge zum mitmachen animiert. Es entfachte ein hemmungsloser Kampf und trieb beide immer mehr in Ekstase.

Kampfmetaphorik zum Dritten, aber wer von hemmungslosen Duellen euphorisch wird ... Schwierig wird es allerdings, wenn währenddessen sämtliche Winkel ausgekostet werden. Man kann sich den Knoten vorstellen, der entstehen muss, wenn zwei Zungen mit Überlänge mitten im Gefecht auch noch die Mandeln im jeweils nicht heimischen Hals erreichen sollen.


Sie spürte wie ein Lächeln seinen Mund verzog und biss ihn fordernd in seine Unterlippe, er erhörte sie und ihre Zungen trafen sich zu einem erotischen Tét-a-Tét.

Die Zeichensetzung lassen wir hier mal außen vor, und auch seine Schmerzgrenze wollen wir hier nicht weiter erörtern. Ein Tête-á-Tête kann soviel bedeuten wie Schäferstündchen, zärtliches Beisammensein oder auch vertrauliche Unterredung. Nichts davon gehört jedoch zu den Dingen, die Zungen gemeinhin tun können.


"Nei..." mein Widerstand wird gebrochen, als seine Lippen mich erklimmen und seine Zunge meinen Mund erobert. Hilflos und willig lasse ich es mit mir geschehen. Seine Berührungen und Liebkosungen erhitzen meinen Körper. Lassen mich entflammen, wie nie zuvor. Ich möchte keinen Gedanken daran verschwenden, weshalb es ausgerechnet ER ist, der mich so empfinden lässt. Es interessiert mich nicht. Nicht in diesen Augenblicken, in denen ich seinen süßen Speichel schmecken und seine samtene Zunge in mir fühlen kann.

Jemandes Lippen erklimmen also Harrys Mund. In voller Bergsteigerausrüstung oder mehr wie beim Freeclimbing? Und dann fängt der arme Harry auch noch an zu brennen! Zum Glück hat er genügend süßen Speichel zum Löschen. Bitte melden, wer „Speichel“ erotisch findet.


Bettgeflüster


"Worüber denkst du nach, Hermine?" fragte der junge Mann auf dem sie lag, sie hörte leichte Besorgnis in seiner dunklen Stimme.

Es gibt wohl kaum einen unpassenderen Moment als eine Bettszene, um zur Abwechslung mal nicht den Namen einer Person zu nennen. Man kann wohl davon ausgehen, dass Hermine weiß, auf wem sie liegt, schließlich ist seine Anrede für sie durchaus vertraut. Als „jungen Mann“ würde man diese Person höchstens bezeichnen, wenn sie zufällig im Flur über einen Unbekannten gestolpert wäre.


Es war genauso eins wie unsere Körper. Hitzige Masse brennenden Fleisches, vom Vollmond umspielt.

Ihre Körper waren eine brennende Fleischmasse? Klingt nach einem vergessenen Fondue. Metaphern sind in solchen Zusammenhängen nicht ohne vergleichendes „wie“ oder etwas Ähnliches möglich, da sie andernfalls wörtlich zu nehmen sind, und das ist wohl nicht im Sinne des Erfinders.


Er konnte sich nicht an ihm satt sehen, bestaunte sein perfekt bestücktes Teil und seufzte leise.

Womit genau ist denn sein Teil bestückt?


Sie strich seinen Bauch entlang und fühlte die glatte Haut, ihre Finger gruben sich in seinen Bauchnabel.

Aua ...


Bunter Blütencocktail


Verdutzt erstarrte er, atmete jedoch im selben Augenblick eine angenehme Mischung aus Seife und Haut ein und dann fiel ihm wieder ein, wo er sich befand.

Er wird wohl Madam Pomfrey brauchen, wenn er da je wieder seine Atemwege frei kriegen will...


Ich starrte sie so böse an, dass sie eigentlich schon unter der Schärfe meines Blickes in kleine Gurkenscheiben hätten zerschnipselt werden müssen.

Das er hätte zerschnipselt werden müssen, könnte man noch verstehen, aber wieso sollte jemand wegen eines Blicks zu einem Gemüse werden?


Sein dezenter, doch männlicher Duft schwebte noch in der Luft und machte Draco wahnsinnig.

Heißt das, „männlich“ riecht gewöhnlich aufdringlich? Und wie riecht „männlich“ überhaupt?


"Schnauze, einen Scheiß tu ich", knurrte Draco und sprühte Funken.

Oh, wie praktisch. Diesen Draco würde man sich doch gern als Wunderkerze für Silvester ausleihen!


(...) und wanderten sanft abwärts, während die Dampfschwaden auf Wanderschaft gingen.

Sie schnürten ihr Bündel und weg waren sie ...


Hermine schnappte nach Luft und legte die Hände an die Hüften, um zu demonstrieren wie sauer sie war.

Wenn explizit erklärt werden muss, was Hermines Handlung demonstrieren soll, dann kann die Demonstration nicht sehr gut gewesen sein.


(...) die scheinbar Hermines Eltern sein mussten.

Entweder schienen es Hermines Eltern zu sein (dann waren sie es eigentlich nicht), oder sie waren anscheinend Hermines Eltern (dann waren sie es sehr wahrscheinlich wirklich).


Als er die Tür aufmachte, war er allerdings nicht der einzige, der scheinbar ins Bad wollte.

Er waren also gleich mehrere Leute, die eigentlich nicht wirklich ins Bad wollten, auch wenn es so aussah? Wo die wohl statt dessen hin wollten? Hecken die was aus ...?


"Drado...", sagte sie und sah ihn mit großen Augen an. Mit Drado meinte sie natürlich Draco

Sollen die Leser hier für dumm verkauft werden? Ein schönes Beispiel dafür, dass man auch zuviel erklären kann.


(...), gab ich sexy lächelnd zurück.

Mag sein, dass die erzählende Figur beabsichtigt hat, sexy zu wirken, aber die Einschätzung, ob das geklappt hat, sollte besser dem „Empfänger“ dieses Lächelns überlassen bleiben.


Benommen versuche ich, in diesen unendlichen Tiefen zu lesen. Nie hatte ich mir die Zeit oder die Kraft genommen, dem Slytherin so gründlich in die Augen zu sehen. Es ist mir nicht möglich, viel ihn diesen Seelenspiegeln zu erkennen, dafür weiß ich einfach zu wenig über den Zauberer Draco Malfoy.

In unendlichen Tiefen zu lesen, ist allerdings schwer. Wo ist das, 20 000 Meilen unter dem Meer? Augen können zwar unendliche Tiefe haben oder wie unendliche Tiefen wirken, tief sein können sie dagegen nicht.
Der folgende Teil ist ebenfalls problematisch. Zwar kann man sich Zeit nehmen, Kraft hat man aber entweder, oder man hat sie nicht, nehmen kann man sich Kraft nicht.
Die „Seelenspiegel“ sind ein Ausdruck, mit dem man sehr, sehr, sehr sparsam umgehen sollte. Für häufigere Verwendung als einmal im Leben ist dieses Wort zu klischeebeladen.
Und dass „er“ in so einem Moment von dem „Zauberer Draco Malfoy“ spricht, ist etwas missverständlich. Wahrscheinlich ist es wörtlich gemeint, in dem Fall wäre die Frage, weshalb sein Zauberersein da erwähnt werden muss. Er kann auch durchaus Draco Malfoy als Menschen kennen, den Draco Malfoy in seiner Funktion als Zauberer aber nicht.
Es könnte aber auch im übertragenen Sinn gemeint sein, was dann näherer Erläuerung bedürfte.


So unlesbar diese Züge. So undurchdringlich diese Augen. So unnahbar diese Gestalt. So unerforscht dieser Geist... Potty verlor sich in seinen Feststellungen. Bis ihm urplötzlich wieder einfiel, was hier gerade passierte.

Offensichtlich ist diese Passage aus Harrys Sicht geschrieben. „Potty“ ist ein abfälliger Spitzname, den er selbst nicht für sich verwenden würde, und auch ein allwissender Erzähler kann das hier nicht tun, es sei denn Harry soll lächerlich gemacht werden.


Scheiße, sah Harry heiß aus! Und dieser Körper erst!

Welcher Köper? Ist da neben Harry noch ein anderer Körper? Oder ist Harry gemeint, wird aber getrennt von seinem Körper bewertet? Wenn ja, wieso? Wenn er heiß aussieht, dann schließt das seinen Körper normalerweise ein.

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