Wie geo das Archiv gefunden hat
Aus Infodatenbank
Eines schönen Tages saß ich im Flur vor dem Rechner und vertrieb mir die Zeit. Mir war ziemlich langweilig, denn es war draußen verdammt kalt und ich hatte noch Weihnachtsferien. Das war Anfang Januar 2002.
Ich las einige Mails, die ich über die Mailingliste „Sprechender Hut“, meine erste Kontaktmöglichkeit zu anderen Harry Potter Fans, bekommen hatte. Ich schaute mir die verlinkten Seiten an stieß dabei auf eine einige Wochen alte Mail von einer Kris, die Autorin einer Fanfiction mit dem Titel „Gegen alle Widerstände“ war. Es war gerade ein neues Kapitel dieser Fanfiction veröffentlicht worden und über den Link gelangte ich ins Archiv von Anne Weasley.
Ich hatte schon erste Erfahrungen mit Fanfictions gesammelt, doch noch nirgends hatte ich eine Seite gefunden, die sich ausschließlich mit Fanfiction beschäftigte. An diesem Abend strapazierte ich die Geduld meiner Mutter sehr, denn ihr Schlafzimmer war durch eine Tür mit einer großen Glasscheibe vom Flur getrennt. Irgendwann schickte sie mich dann ins Bett.
Aber ich blieb. Oder besser gesagt: Ich kam immer wieder. Nach kurzer Zeit fieberte ich den Updates mit neuen Kapiteln entgegen, denn ich hatte schon alle Fanfics zumindest angelesen. Sehr schnell entdeckte ich, dass sich im Forum eine Reihe der Autoren tummelten. Ich begann, die Gespräche zu verfolgen, die sie mit den Lesern führten. Ich traute mich zuerst nicht, mich in eines der Gespräche einzumischen, ich hatte Angst, etwas Dummes zu sagen und aus dem Forum zu fliegen. Da kam mir ein Beitrag zu Gute, den Len geschrieben hatte. Sie schrieb so etwas wie: „Hallo Leute, ich bin jetzt auch da und werd mitreden.“. Genau das tat sie auch sehr fleißig, da dachte ich mir, wenn da jemand anderes einfach in dieses Forum kommt und anfängt, mitzureden, dann kann ich das auch. Auch dafür habe ich Len bewundert.
In den folgenden Monaten meldete ich mich bei Anne als Betaleser und wurde auch in die Liste aufgenommen. Dann schrieb ich meine Kurzgeschichte „A Day’s Story“. Eigentlich hatte ich ja eine ganze Reihe mit acht oder neun Teilen geplant, doch dazu kam ich nicht. Ich stellte fest, wie viel Arbeit es sein kann, sich eine Storyline zurechtzulegen, daraus eine Geschichte zu schreiben, mit einem Betaleser zusammen zu arbeiten und schließlich gebannt auf die ersten Urteile zu warten. Ich bekam insgesamt vier Reviews, eins von meiner Betaleserin, eins von Anne und zwei andere. Ich beschloss, dass mir der Aufwand zu groß war und wollte später weiterschreiben, doch daraus wurde dann nichts mehr.
Im Mai wurde meine euphorische Begeisterung heftig abgebremst, als Anne verkündete, sie werde das Archiv nicht weiterführen. Das sorgte für einige Aufregung. Anne wollte das Archiv jedoch nicht einfach schließen, sondern jemand anderem die Verantwortung übertragen. Es mangelte allerdings an qualifizierten Nachfolgern, weil die Bewerber zu jung waren oder sich nicht gut genug in HTML auskannten. Schließlich erklärte Len sich dazu bereit, das Archiv für eine mehrmonatige Übergangszeit zu führen.
In einem Chat mit Anne, in dem ich eigentlich nur mein Bedauern zum Ausdruck bringen wollte, schlug Anne mir plötzlich vor, ich solle das Archiv übernehmen. Ich war sehr überrascht, ich war zwar nur ein Jahr jünger als Anne, aber ich hatte kaum Ahnung vom Internet und überhaupt keine Erfahrung mit HTML. Unter der Vorraussetzung, dass ich bis zur vollständigen Übernahme genügend Zeit hätte, mich in die Programmierung und die internen Abläufe, die zwar nicht sehr komplex, aber sehr aufwendig waren, einzuarbeiten, sagte ich zu.
In den folgenden Monaten lernte ich, wie das Archiv funktionierte. Die Autoren mailten ihre Kapitel an mich. Ich fügte ausreichend HTML-Code ein, verlinkte die Kapitel untereinander, im Storyarchiv, auf der Autorenseite und unter den Neuerscheinungen. Schrieb News und lud alle Dateien auf den Server. Im Oktober 2002 war es dann soweit. Ich veröffentlichte das erste Mal die neuen Kapitel ganz ohne Lens Hilfe.
Im Laufe des nächsten Jahres halfen mir verschiedene Leute bei meinen Aufgaben. Von Len bekam ich immer gute Tipps und Sombra half mir dabei, alle vorhandenen Geschichten und sonstigen Dateien auf einen neuen Server zu bringen. Das Archiv musste inzwischen eine ganze Reihe Serverumzüge mitmachen. Im Sommer startete ich einen Aufruf an die Besucher der Seite. Ich suchte nach Leuten, denen ich einen Teil meiner Arbeit abtreten konnte. Im Oktober 2003 hatte ich etwa zehn motivierte Leute zusammen. Zu diesem Zeitpunkt entstand das HPFFA-Team, das seitdem in wechselnder Besetzung aus acht bis dreizehn Leuten besteht.
Mit dem Team kamen viele Veränderungen. Die größte Neuerung begann im Sommer des letzten Jahres, als wir uns darauf vorbereiteten, auf ein automatisches Archiv umzustellen, in dem die Autoren ihre Werke selbst speichern können und das Team sie nur noch veröffentlichen muss. Dieser Schritt war der größte, den das Archiv je erlebt hat und wir waren monatelang mit den Vorbereitungen beschäftigt. Aber schließlich hatten wir es – wieder mal im Oktober – geschafft.

